mitmachen

Aktuelles

19. November 2022

Warum die WM in Katar boykottiert werden muss

Auf die WM in Katar kann es nur eine Antwort geben: Boykott!

Robin Toelen, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Düsseldorf

Wie ist die Situation?

Im Jahr 2010 vergab die FIFA die WM 2022 an das Emirat Katar. Heute wissen wir, dass Katar den Zuschlag nur erhielt, weil mindestens drei Mitglieder des Exekutivkomitees für ihre Stimmen bestochen wurden.

Auch Grundsätzlich könnte gefragt werden, weshalb Katar für die Austragung der Weltmeisterschaft überhaupt in Frage kam. Weder bestand die notwendige Infrastruktur im Emirat, insbesondere gab es zu wenige Stadien, noch spielt Katar international eine große fußballerische Rolle. Zudem kann die WM auch nicht, wie eigentlich als Bedingung festgelegt, im Sommer stattfinden, sondern wurde in den Winter gelegt. Es scheint, als würden rein finanzielle und politische Interessen im Vordergrund stehen. Doch sind WM-Austragungen für den gastgebenden Staat auch nie rentabel.

Menschenrechte? Fehlanzeige!

Noch bezeichnender wird die Situation, wenn wir nach dem Einhalten der Menschenrechte in Katar fragen. Angehörige der LGBTQIA+ Community werden nicht nur unterdrückt, sondern auch verfolgt, eingesperrt und hingerichtet. Ebenso wird mit kritischen Journalist:innen und Aktivist:innen verfahren.

Erst vor kurzem äußerte sich zudem der katarische WM-Botschafter Khalid Salman in einem ZDF-Interview offen homosexuellenfeindlich. Laut seiner Aussage sei Homosexualität nicht nur „haram“, also „verboten“ und in diesem Sinne eine Sünde, sondern auch und vor allem ein „geistiger Schaden“. Wie passt dies mit den Aussagen aus Katar zusammen, dass jede:r willkommen sei?

Besonders erschreckend sind die Berichte von Amnesty International über die Umstände beim Bau der Infrastruktur für die WM. So sind nach Recherchen dieser über 15.000 Gastarbeiter:innen wegen katastrophalen Arbeitsbedingungen ums Leben gekommen. Die meisten Tode sind nicht aufgeklärt, insbesondere da Katar dies verhindert. Zudem wurden den Gastarbeiter:innen ihre Pässe abgenommen, sodass diese nicht mehr ausreisen konnten.

Wie reagiert die FIFA?

Die FIFA erklärte erst kürzlich in Form von ihrem Präsidenten, Gianni Infantino, welcher selbst in Katar wohnt, dass das Emirat sehr um die Einhaltung der Menschenrechte bemüht sei und auch sonst stimmten die negativen Berichte über Katar nicht. Katar kündigte nun bspw. an, Frauen die vergewaltigt wurden, im Rahmen der WM, nicht wie sonst wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs anzuzeigen.

Letzte Woche schickte der Präsident der FIFA wiederum einen Brief an alle teilnehmenden Fußballverbände, in welchem er diese indirekt auffordert, keine weitere Kritik am Emirat zu äußern. Sie sollten Fußball von Politik trennen. Auch ist der FIFA bekannt, dass das Emirat Katar die Taliban in Afghanistan unterstützt.

Und was macht der DFB?

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich in der Vergangenheit mehrfach für das Einhalten von Menschenrechten, Diversität, Offenheit und Toleranz stark gemacht und dies öffentlich kundgetan. Doch an der WM will sie trotzdem teilnehmen und vor Ort, mit Regenbogenbinde und möglichen weiteren Aktionen, demonstrieren.

Der DFB scheint dabei kein Problem damit zu haben, seine Spieler auf den Gräbern von tausenden toten Arbeiter:innen spielen zu lassen. Ist das die richtige Antwort? Und macht es nicht allen vorherigen Einsatz der DFB-Elf für Menschenrechte fragwürdig, wenn diese doch wegen sportlicher und letztlich finanzieller Interessen ihre Moral verkauft?

Die richtige Antwort ist ein Boykott!

Der Glaube, dass das Tragen eines Stück Stoffes am Arm allein etwas verändern wird, ist scheinheilig und selbstgefällig.

Auch ein Boykott der WM wird die Situation der Menschenrechte in Katar wahrscheinlich nicht umgehend verbessern. Jedoch setzt ein Boykott das Zeichen, dass Fußball kein Blankoscheck für Tyrannei und kapitalistische/politische Interessen ist. Wo verläuft die Null-Toleranz-Grenze des DFB gegenüber Menschenrechtsverletzungen wenn nicht hier? Der FIFA müssen Grenzen aufgezeigt und künftige Vergaben stärker kontrolliert werden. Fußball ist für alle da, genauso wie Menschenrechte für alle Menschen gelten.


Zurück